Über die Methode

Mutschritt erfindet keine eigene Methode. Die App setzt etablierte Konzepte der Expositionsforschung in einen alltagstauglichen Ablauf um. Diese Seite erklärt die Grundlagen – sachlich und mit Quellen.

Exposition: der Kern der Angstbehandlung

Konfrontationsübungen (Exposition) gehören zu den am besten untersuchten Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie bei Angststörungen. Die Grundidee: Wer sich der gefürchteten Situation planvoll stellt, statt sie zu vermeiden, gibt dem Gehirn die Chance, neue Erfahrungen zu machen.

Das inhibitorische Lernmodell

Lange galt: Die Angst muss während der Übung spürbar sinken (Habituation), damit Exposition wirkt. Die neuere Forschung um Michelle Craske und Kolleg:innen zeichnet ein anderes Bild. Nach dem inhibitorischen Lernmodell wird die alte Angstverknüpfung („Situation → Gefahr“) nicht gelöscht, sondern durch eine neue, hemmende Verknüpfung („Situation → es passiert nichts Schlimmes“) überlagert. Entscheidend ist nicht, wie stark die Angst in der Übung fällt, sondern wie deutlich die Erwartung widerlegt wird.

Daraus folgen die Prinzipien, an denen sich Mutschritt orientiert:

Die SUDS-Skala

Die subjektive Angststärke wird in Mutschritt auf der SUDS-Skala (Subjective Units of Distress, 0–100) erfasst – vor, während und nach der Übung. Die Skala geht auf Joseph Wolpe zurück und ist in der Verhaltenstherapie seit Jahrzehnten Standard. In der Übung dient der Regler nicht der Kontrolle der Angst, sondern der Beobachtung: Jede Bewegung wird mit Zeitstempel gespeichert und ergibt danach die Angstverlaufskurve.

Screening mit validierten Instrumenten

Zum Start und alle vier Wochen bietet Mutschritt ein Screening mit etablierten Fragebögen an: GAD-7 (generalisierte Angstsymptomatik), das Panikmodul des PHQ sowie PHQ-9 (depressive Symptomatik). Die Ergebnisse dienen der Selbstbeobachtung über die Zeit – sie sind keine Diagnose und ersetzen keine fachliche Abklärung.

Wo die Grenzen liegen

Selbsthilfe-Exposition ist nicht für alle Themen geeignet. Bei Zwangsstörungen (OCD) braucht Exposition mit Reaktionsverhinderung fachliche Anleitung; die Konfrontation mit traumatischen Erinnerungen (PTBS) gehört in einen therapeutischen Rahmen. Beides deckt Mutschritt deshalb bewusst nicht ab. Und grundsätzlich gilt: Mutschritt ist kein Ersatz für eine Psychotherapie und stellt keine Diagnosen.

Quellen

  1. Craske, M. G., Treanor, M., Conway, C. C., Zbozinek, T., & Vervliet, B. (2014). Maximizing exposure therapy: An inhibitory learning approach. Behaviour Research and Therapy, 58, 10–23.
  2. Craske, M. G., Treanor, M., Zbozinek, T. D., & Vervliet, B. (2022). Optimizing exposure therapy with an inhibitory retrieval approach and the OptEx Nexus. Behaviour Research and Therapy, 152, 104069.
  3. Wolpe, J. (1969). The Practice of Behavior Therapy. Pergamon Press. (SUDS-Skala)
  4. Spitzer, R. L., Kroenke, K., Williams, J. B. W., & Löwe, B. (2006). A brief measure for assessing generalized anxiety disorder: the GAD-7. Archives of Internal Medicine, 166(10), 1092–1097.
  5. Kroenke, K., Spitzer, R. L., & Williams, J. B. W. (2001). The PHQ-9: validity of a brief depression severity measure. Journal of General Internal Medicine, 16(9), 606–613.